Götterblick auf Tabal - Wiederentdeckung einer eisenzeitlichen Kulturlandschaft im Becken von Kangal (Türkei) mittels Fernerkundung
Seit 2022 erforscht ein internationales archäologisches Team das landschaftlich karge Becken von Kangal in der türkischen Provinz Sivas mit einem Oberflächensurvey. Ziel des Projekts ist die Untersuchung einer bislang kaum erforschten historischen Kulturlandschaft, die in der Eisenzeit (ca. 1180–330 v. Chr.) als Teil der Landschaft Tabal ihre Blüte erlebte.
Ausgangspunkt der Forschungen ist das Karaseki-Basaltplateau mit der bedeutenden Siedlung Havuz-Aslantaş, die 1926 durch den Fund einer späthethitischen Löwenfigur in der Wissenschaft bekannt wurde. Neben weiteren interessanten Siedlungsstellen auf dem Plateau und einer rätselhaften Mauer auf dem Gebirgszug der Kulmaç Dağları zeigte sich, dass im mehrere tausend Quadratkilometer umfassenden Arbeitsgebiet eine extrem dichte Besiedlung herrschte, vor allem in der Frühbronzezeit, der Eisenzeit und im Mittelalter. Aufgrund der seit der Neuzeit äußerst geringen Besiedlung und spärlichen Vegetation haben sich in dieser Region ungewöhnlich viele archäologische Strukturen oberirdisch erhalten.
Zunächst konnten durch eine manuelle Auswertung von Satellitenbildern bereits über 400 neue potenzielle archäologische Fundstellen identifiziert werden. Um das Potential von Fernerkundungsdaten effizient und umfassend zu nutzen, startete Mitte 2025 das von der Fritz Thyssen Stiftung geförderte Teilprojekt „Götterblick auf Tabal“. In Kooperation mit dem Labor für Photogrammetrie der Berliner Hochschule für Technik setzt das Team nun auf hochauflösende Satellitendaten und Künstliche Intelligenz (KI).
Ziel ist es, ein KI-Modell zu entwickeln, das selbstständig auch kleinere archäologische Strukturen wie einzelne Häuser oder Grabanlagen erkennen kann. Dazu werden mehrere Modelle mit vor Ort validierten Daten trainiert und es muss viel experimentiert werden, da es dafür keine vorgefertigten Lösungen gibt. Hierbei werden auch Studierende in verschiedenen Ausbildungsstadien eingebunden. Diese innovative Kombination aus klassischer Feldarbeit und KI-gestützter Fernerkundung setzt neue Maßstäbe in der Archäologie. Sie soll dazu beitragen, die in Vergessenheit geratene Kulturlandschaft umfassend zu dokumentieren und zu bewahren.


